Lagerkosten sind der Betrag, den ein Lager im Jahr verursacht. Die wichtigere Frage ist aber nicht, wie hoch er ist, sondern welcher Teil davon verschwindet, wenn der Bestand sinkt. In den meisten Betrieben ist das rund die Hälfte.
Diese Seite zeigt, welche Kostenarten anfallen, wie Sie sie erfassen und wie Sie fixe von bestandsabhängigen Kosten trennen. Wenn Sie stattdessen den Prozentsatz für Ihre Dispositionsrechnung suchen, ist Lagerkostensatz berechnen die passende Seite.
Lagerkosten sind alle Kosten, die durch das Vorhalten und Bewegen von Beständen entstehen. Sie werden als Betrag in Euro ausgedrückt, üblicherweise für ein Jahr und für ein ganzes Lager.
Drei Begriffe werden dabei durcheinander benutzt. Lagerkosten sind der Betrag. Der Lagerkostensatz ist ein Prozentwert, nämlich der bestandsabhängige Teil dieser Kosten im Verhältnis zum Bestandswert. Lagerhaltungskosten sind in den meisten Quellen die Lagerkosten plus die Kosten des gebundenen Kapitals, also Lagerkosten und Kapitalbindungskosten zusammen. Die Kapitalbindung fällt dabei nicht im Lager selbst an, sondern in der Finanzierung. Wer diese drei Größen vergleicht, ohne zu prüfen, was jeweils enthalten ist, vergleicht Verschiedenes.
Für alles Weitere ist eine zweite Unterscheidung wichtiger: Kosten des Haltens gegen Kosten des Bewegens. Miete, Versicherung und Wertverlust entstehen, weil Ware liegt. Kommissionieren, Verpacken und Versenden entstehen, weil Ware durch das Lager fließt. Die erste Gruppe hängt am Bestand, die zweite am Durchsatz. Beide zusammen sind die Lagerkosten, aber nur die erste reagiert darauf, wenn Sie Bestände abbauen.
Welche Arten in den Lagerkostensatz gehören, steht auf der Seite zum Satz. Hier geht es darum, wie Sie die Zahlen tatsächlich aus Ihrer Buchhaltung holen.
Miete und Nebenkosten der Lagerfläche. Bei eigener Immobilie tritt an ihre Stelle eine kalkulatorische Miete, also der ortsübliche Mietwert der Fläche. Ohne diesen Ansatz erscheint das eigene Lager kostenlos, was jeden Vergleich mit einem Dienstleister wertlos macht.
Der aufwendigste Posten. Gebraucht wird nur der Anteil, der auf das Halten entfällt: Umlagerungen, Inventuren, Bestandspflege, Suchen. Kommissionieren und Versand gehören nicht dazu. Praktikabel ist eine Schätzung über Tätigkeitsanteile, dokumentiert und einmal jährlich überprüft.
Abschreibung und Wartung von Regalen, Flurförderzeugen und Lagertechnik. Quelle ist das Anlagenverzeichnis, ergänzt um die Wartungsverträge. Bei geleasten Geräten die Leasingrate statt der Abschreibung.
Beleuchtung, Heizung, Kühlung. Wenn keine eigene Zählung vorliegt, über die Fläche umgelegt. Bei temperaturgeführten Lagern ist dieser Posten deutlich größer und gehört gesondert erfasst.
Die Prämie für die Warenversicherung, häufig ohnehin als Promillesatz des Warenwerts vereinbart. Dann lässt sie sich direkt übernehmen und ist die einzige Kostenart, die von sich aus bestandsabhängig ist.
Inventurdifferenzen, Bruch, Diebstahl, dazu Abschriften auf überholte oder abgelaufene Ware. Quelle sind die Inventurdifferenz-Buchungen und die Abschreibungen auf Vorräte, jeweils als Wert und über mehrere Jahre gemittelt.
Die Zinsen auf das im Bestand gebundene Kapital fehlen in dieser Liste bewusst. Sie fallen nicht im Lager an, sondern in der Finanzierung, und sie werden getrennt hergeleitet, siehe Lagerkostensatz berechnen.
Selbst gewählte Zahlen, kein Erfahrungswert. Es ist derselbe Musterbetrieb wie auf der Seite zum Lagerkostensatz, damit sich beide Rechnungen ineinander überführen lassen.
Durchschnittlicher Bestandswert über das Jahr: 1.800.000 Euro.
Miete und Nebenkosten 168.000
Personal, anteilig 96.000
Technik und Einrichtung 42.000
Energie 24.000
Versicherung 9.000
Schwund und Wertverlust 45.000
Lagerkosten im Jahr 384.000 Euro
Bezogen auf den Bestandswert sind das 21,3 Prozent. Diese Zahl steht hier bewusst, weil sie in der Praxis oft direkt als Lagerkostensatz verwendet wird. Warum das falsch ist, zeigt der nächste Abschnitt.
Die Halle steht auch bei halbem Bestand. Der Stapler wird nicht verkauft, das Lagerpersonal nicht entlassen. Von den 384.000 Euro hängen nur 180.000 tatsächlich am Bestand, die übrigen 204.000 nicht.
Versicherung 9.000
Schwund und Wertverlust 45.000
Raum und Handling, Anteil 126.000
bestandsabhängig 180.000 Euro
fix 204.000 Euro
53 Prozent der Lagerkosten bewegen sich nicht, wenn der Bestand sinkt. Der Anteil von 126.000 Euro bei Raum und Handling ist der Teil, der sich bei geringerem Bestand tatsächlich reduzieren lässt, etwa durch weniger Umlagerungen und aufgegebene Zusatzflächen.
Daraus folgt eine Rechnung, die selten jemand aufmacht. Wer den Bestand um 20 Prozent senkt, spart höchstens 36.000 Euro, nämlich ein Fünftel des bestandsabhängigen Teils. Nicht 76.800 Euro, also ein Fünftel der gesamten Lagerkosten. Der Unterschied von 40.800 Euro ist genau der Betrag, um den solche Vorhaben regelmäßig zu optimistisch gerechnet werden.
Und selbst die 36.000 Euro fallen nicht automatisch an. Freie Regalplätze sparen nichts, solange sie über das ganze Lager verteilt sind. Eine Ersparnis entsteht erst, wenn Fläche zusammengelegt und tatsächlich aufgegeben oder anders genutzt wird. Bis dahin ist der Effekt rechnerisch vorhanden und kassenwirksam nicht.
Die wichtigere Wirkung liegt woanders. Wer den Bestand um 20 Prozent senkt, löst bei 1,8 Millionen Euro Bestandswert 360.000 Euro Kapital, und das einmalig und sofort. Das ist das Zehnfache der jährlichen Kostenersparnis. Bestandsabbau lohnt sich also, nur nicht aus dem Grund, aus dem er meistens begründet wird. Wie diese Kapitalwirkung entsteht, zeigt der Cash Conversion Cycle.
Lagerkosten fallen für das Lager an, nicht für einen Artikel. Sie müssen also umgelegt werden, und die Wahl des Schlüssels verändert das Ergebnis um Größenordnungen. Wie lange ein Artikel den Platz überhaupt belegt, misst die Lagerumschlagshäufigkeit.
Üblich sind zwei Schlüssel. Der Wertschlüssel verteilt die Kosten im Verhältnis zum Warenwert, hier also 21,3 Prozent des Werts je Artikel. Der Flächenschlüssel verteilt sie nach beanspruchtem Platz, hier 213 Euro je Palettenstellplatz und Jahr. An zwei gegensätzlichen Artikeln sieht man, was das anrichtet:
Ein Paket Dämmstoffplatten ist 40 Euro wert und belegt einen ganzen Palettenstellplatz. Ein Steuerungsmodul ist 4.000 Euro wert, zwanzig davon passen auf eine Palette.
Dämmstoffplatten
nach Wert 8,53 Euro im Jahr
nach Fläche 213,33 Euro im Jahr
Steuerungsmodul
nach Wert 853,33 Euro im Jahr
nach Fläche 10,67 Euro im Jahr
Für die Dämmstoffplatten liegen beide Methoden um den Faktor 25 auseinander, für das Steuerungsmodul um den Faktor 80 in die entgegengesetzte Richtung. Es ist derselbe Artikel im selben Lager, nur anders umgelegt.
Ein reiner Wertschlüssel lässt billige Sperrgüter praktisch kostenlos erscheinen, obwohl sie das Lager füllen. Ein reiner Flächenschlüssel macht wertvolle Kleinteile zu Gratislagerware, obwohl in ihnen das Kapital steckt. Beides führt zu falschen Entscheidungen darüber, welche Artikel man auslistet oder auslagert.
Sauber ist die Aufteilung nach Ursache: Raumkosten, Energie und Technik über die beanspruchte Fläche, Versicherung, Schwund und Wertverlust über den Wert, Personalkosten über die Zahl der Bewegungen. Das ist mehr Arbeit als ein einziger Schlüssel und liefert als Einziges eine Zahl, mit der sich eine Entscheidung begründen lässt.
Aus 384.000 Euro und 1.800 Stellplätzen ergeben sich 213 Euro je Platz und Jahr, also rund 17,80 Euro im Monat. Das ist die Größe, mit der sich ein Angebot eines Lagerdienstleisters vergleichen lässt.
Der Vergleich trägt allerdings nur unter zwei Bedingungen. Erstens müssen auf beiden Seiten dieselben Kostenarten enthalten sein. Ein Dienstleisterpreis je Palette und Monat enthält Fläche, Technik und Verwaltung, aber weder Ihre Versicherung noch Ihren Schwund noch die Kapitalbindung. Wer den vollen Eigenwert gegen einen reinen Lagerpreis stellt, vergleicht zwei verschiedene Dinge.
Zweitens entscheidet der Fixkostenanteil darüber, ob eine Auslagerung überhaupt etwas spart. Solange die eigene Halle gemietet oder abbezahlt wird, bleiben die 204.000 Euro bestehen, auch wenn die Ware woanders liegt. Eine Auslagerung senkt die Kosten erst, wenn die Fläche tatsächlich aufgegeben wird. Diese Rechnung kann ich Ihnen nicht abnehmen, aber sie besteht aus Zahlen, die Sie nach dieser Seite haben.
Eine zweite brauchbare Größe sind die Lagerkosten je Lagerposition, also je geführtem Artikel. Sie beantwortet eine andere Frage, nämlich was es kostet, eine zusätzliche Artikelnummer überhaupt im Sortiment zu führen. Bei Sortimentsbereinigungen ist sie die aussagekräftigere der beiden, weil beim Auslisten die Position verschwindet und nicht unbedingt Fläche frei wird.
Alle vier führen dazu, dass das eigene Lager günstiger aussieht, als es ist. Und alle vier fallen erst auf, wenn ein Vergleichsangebot auf dem Tisch liegt.
Bei eigener Immobilie steht in der Buchhaltung keine Miete, also erscheint die Fläche kostenlos. Tatsächlich ist sie gebundenes Kapital, das anders genutzt werden könnte. Ohne diesen Ansatz gewinnt das Eigenlager jeden Vergleich, unabhängig davon, ob es das verdient.
Eine Jahresinventur bindet über Tage einen erheblichen Teil der Belegschaft, oft auch aus anderen Abteilungen. Diese Stunden tauchen in keiner Lagerkostenstelle auf, gehören aber eindeutig zu den Kosten des Haltens.
Ware, die von einem Lager ins andere gefahren wird, verursacht Transport- und Buchungsaufwand, ohne dass ein Umsatz entsteht. Je mehr Standorte, desto größer dieser Posten, und er wächst mit jedem zusätzlichen Sicherheitsbestand je Standort.
Wareneingangszone, Kommissionierbereich, Packplätze, Gänge. Diese Flächen werden oft nicht als Lagerfläche geführt, existieren aber nur wegen des Lagers. Wer nur die Regalfläche rechnet, unterschätzt die Raumkosten deutlich.
In den Lagerkostensatz gehört nur der bestandsabhängige Teil, hier also 180.000 von 384.000 Euro. Wer den vollen Betrag einsetzt, verdoppelt den Satz und rechnet danach alle Bestellmengen falsch.
Der Unterschied ist erheblich. Mit dem bestandsabhängigen Teil ergeben sich 10,0 Prozent, mit dem vollen Betrag 21,3 Prozent. Kommen die Kapitalbindungskosten hinzu, die für diesen Musterbetrieb bei 5,65 Prozent liegen, steht am Ende 15,65 Prozent gegenüber 27,0 Prozent.
Das erklärt nebenbei, warum die verbreitete Faustregel von 20 bis 25 Prozent so hoch liegt: Sie enthält Fixkosten, die mit der Bestandshöhe nichts zu tun haben. Ein zu hoch angesetzter Satz führt zu zu kleinen Bestellmengen und damit zu mehr Bestellvorgängen als nötig, siehe Optimale Bestellmenge berechnen.
Lagerhaltungskosten = Lagerkosten + durchschnittlicher Bestandswert × Kapitalkostensatz
Für den Musterbetrieb dieser Seite: Lagerkosten 384.000 Euro, dazu 1.800.000 Euro Bestandswert mal 5,65 Prozent Kapitalkostensatz, also 101.700 Euro. Zusammen ergeben sich 485.700 Euro Lagerhaltungskosten im Jahr. Wie die Kapitalbindungskosten entstehen, steht unter Kapitalbindung berechnen.
Wie sich der Satz vollständig herleiten lässt, einschließlich der Kapitalbindungskosten aus der Eigen- und Fremdkapitalstruktur, steht auf der Seite Lagerkostensatz berechnen. Wo diese Größe im Gesamtvorgehen steht, zeigt Bestandsoptimierung, die Einordnung ins Thema die Übersicht Bestandsmanagement. Wie eine Auswertung Ihrer eigenen Zahlen abläuft, steht unter Bestandsanalyse, woher meine Einordnung stammt unter Davide Elias Pedroso Bussu, Berater für Bestandsmanagement.
Raumkosten, anteilige Personalkosten, Technik und Einrichtung, Energie, Versicherung sowie Schwund und Wertverlust. Nicht dazu gehören die Zinsen auf das gebundene Kapital, denn die fallen in der Finanzierung an und nicht im Lager. Sie werden getrennt hergeleitet und erst im Lagerkostensatz mit den übrigen Kosten zusammengeführt.
Lagerkosten plus Kapitalbindungskosten. Die Kapitalbindungskosten ergeben sich aus dem durchschnittlichen Bestandswert mal dem Kapitalkostensatz. Im Rechenbeispiel dieser Seite sind das 384.000 Euro Lagerkosten plus 101.700 Euro Kapitalbindung, zusammen 485.700 Euro im Jahr.
Das hängt von Fläche, Miete und Technisierung ab und lässt sich nicht allgemein beantworten. Im Rechenbeispiel dieser Seite sind es 213 Euro je Stellplatz und Jahr, also rund 17,80 Euro im Monat. Rechnen Sie den Wert für Ihr Lager selbst aus, indem Sie die Jahreskosten durch die Zahl der Stellplätze teilen, denn nur dann wissen Sie, welche Kostenarten enthalten sind.
Lagerkosten sind ein Betrag in Euro für ein Jahr und ein ganzes Lager. Der Lagerkostensatz ist ein Prozentwert und beschreibt, was ein Euro Warenwert im Jahr an Lagerhaltung kostet. In den Satz gehört nur der bestandsabhängige Teil der Lagerkosten, ergänzt um die Kapitalbindungskosten.
Nur teilweise. Im Rechenbeispiel dieser Seite sind 53 Prozent der Lagerkosten fix, sie bleiben also bestehen. Wer den Bestand um ein Fünftel senkt, spart höchstens ein Fünftel des bestandsabhängigen Teils, und auch das erst, wenn frei gewordene Fläche tatsächlich aufgegeben wird. Der weitaus größere Effekt eines Bestandsabbaus liegt nicht in den Lagerkosten, sondern im freigesetzten Kapital.
Nach Ursache statt über einen einzigen Schlüssel: Raum, Energie und Technik über die beanspruchte Fläche, Versicherung und Wertverlust über den Warenwert, Personalkosten über die Zahl der Bewegungen. Ein reiner Wertschlüssel lässt billige Sperrgüter kostenlos erscheinen, ein reiner Flächenschlüssel wertvolle Kleinteile.
Indem Sie prüfen, welche Kostenarten in beiden Zahlen stecken, und indem Sie den Fixkostenanteil betrachten. Ein Dienstleisterpreis je Palette enthält weder Ihre Versicherung noch Ihren Schwund noch die Kapitalbindung. Und solange Ihre eigene Halle weiterläuft, senkt eine Auslagerung die Kosten nicht, sie verdoppelt sie. Ein belastbarer Vergleich setzt voraus, dass die Fläche tatsächlich aufgegeben werden kann.
Stand: September 2026
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